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Schildkrötengrat auf das Klein Bielenhorn

· 1 Bewertung · Alpinklettern · Realp
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Dominik Schittny 
  • Über Felsbrocken zum Einstieg. Die ersten beiden Haken sind rot markiert.
    Über Felsbrocken zum Einstieg. Die ersten beiden Haken sind rot markiert.
    Foto: Dominik Schittny, Community
m 2900 2800 2700 1,4 1,2 1,0 0,8 0,6 0,4 0,2 km
Wer auf der Suche nach Genusskletterei pur ist und ein Herz für Schildkröten hat ist hier genau richtig! Der Schildkrötengrat führt von Westen auf das Klein Bielenhorn und ist wohl einer der schönsten Klettergrate die nahe der Sidelenhütte gefunden werden können. Herrlich führt diese Tour durch besten urner Granit und macht so einen riesen Spass!
mittel
Strecke 1,4 km
1:32 h
231 hm
231 hm
2.940 hm
2.699 hm

Es ist morgens um viertel vor sechs. Nach einer langen und mühseligen Suche finde ich, von einer Unterzuckerung benebelt, endlich den Ausstieg aus meinem Schlafsack. Durch ein reichhaltiges Frühstück werden dann aber alle in den Höchstleistungsmodus versetzt und sehen der bevorstehenden Tour voller Elan entgegen.

Noch vor Sonnenaufgang marschieren wir in der Morgendämmerung los in Richtung Grosses Kamel. Glücklicherweise ist es bereits so hell, dass wir die Stirnlampen nicht benötigen und uns so leichter einen Weg über ein Blockschuttfeld zwischen den Felsbrocken hindurch suchen können. Und noch bevor wir mit einer potentiell langwierigen Suche beginnen müssen finden wir den Einstieg zum Schildkrötengrad beinahe auf Anhieb. Wenn das nicht einmal ein gutes Omen ist!

Schnell haben wir Keile, Friends, Expresssets und tonnenweise sonstiges Material an unsere Gstältli gehängt und uns angeseilt. In den Bergschuhen beginnen wir mit der ersten Seillänge und können bereits jetzt schon den Umgang mit mobilen Sicherungen üben. Nach zwei Seillängen erreichen wir den Schildkrötengrat, der spektakulär auf das Klein Bielenhorn führt, und kommen in den Genuss der ersten frühmorgendlichen Sonnenstrahlen. Mit dem Blick auf den bevorstehenden Grat stellen wir die Sonne bezüglich strahlen aber locker in den Schatten…

Die Kletterei erfolgt in bestem Granit – eine wahre Freude! Meist geht es problemlos voran, zwischendurch werden wir in den Bergschuhen, für mich das erste Mal, aber auch etwas gefordert. Kein Problem… Hier ein Friend, dort ein Keil und zwischendurch noch eine Bandschlinge um eine der unzähligen stabilen Zacken gelegt. So klettern wir voller Genuss immer weiter…

…Bis zu der Klagemauer. Bereits der Name dieser verzwickten Kletterstelle verheisst nichts Gutes. Nur ein kurzes Stück mit Schwierigkeit 6a, senkrecht und mit erschreckend wenig Griffen und Tritten liegt vor uns. Leider sieht auch die wesentlich leichter klassifizierte Umgehung nur wenig angenehmer und sehr ausgesetzt aus. So werden wir unweigerlich gezwungen unsere Füsse kurzfristig in die viel zu kleinen und ungemütlichen Kletterfinken zu zwängen. Glücklicherweise gibt es an der Klagemauer nur kurze Abstände zwischen den Bohrhaken und so kann man sich gänzlich ohne Klettertechnik und mit blosser Muskelkraft von einem zum nächsten Express zerren.

Das schlimmste ist überwunden und jetzt folgt in der Tat das Beste! Etwas weiter begegnen wir endlich der lang ersehnten Schildkröte. Aus unserem Blickwinkel sieht diese Gesteinsformation zwar eher aus wie ein Vogel oder ein Fisch aber nachdem wir am Tag zuvor während der letzten Seillänge vom kleinen Kamel abgeschüttelt wurden ist uns das vollkommen egal. Hauptsache wir können wieder ein Erfolgserlebnis verbuchen. Weiter geht es zwischen schmalen und spitzen Zacken durch die meterhoch senkrecht in den Himmel ragen. Auch der eine oder andere atemberaubende Tiefblick bleibt uns nicht vorenthalten. Und in den weniger anspruchsvollen Passagen können wir uns sogar mit der Technik des Gehens am kurzen Seil vertraut machen.

Nach einiger genussvollen Kletterei stellen wir fest, dass plötzlich etwas fehlt. Die Bohrhaken! Offenbar haben diese nicht für die ganze Route gereicht. Oder sind wir etwa von dieser abgekommen? Naja, mobile Sicherungen haben wir zu genüge dabei und nach dem Üben während den vorherigen Seillängen wird die letzte clean zurückgelegt. Oben angekommen folgen nur noch einige Meter Gehgelände zum luftigen Gipfel des Klein Bielenhorns. Hier ist eine Mittagspause angebracht während der wir das Gebirgspanorama aus vollen Zügen geniessen können. Der Abstieg erfolgt an dem grossen Kamel vorbei und durch das Blockschuttfeld zurück zur Hütte. So geht ein ereignis- und lehrreicher Bergsporttag zu Ende.

Autorentipp

Diese Genusskletterei ist optimal geeignet um den Gebrauch mit mobilen Sicherungen jeglicher Art zu üben. Auch kann das Meiste (ausser allenfalls die Klagemauer) in Bergschuhen begangen werden. Auf jeden Fall findet man auf dem Schildkrötengrat Genuss pur!
Schwierigkeit
VI, 6a mittel
Kondition
Erlebnis
Landschaft
Gefahrenpotenzial
Höchster Punkt
Klein Bielenhorn, 2.940 m
Tiefster Punkt
Plumpsklo der Sidelenhütte, 2.699 m
Beste Jahreszeit
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez
Exposition
NOSW
Standplätze
mit Umlenkungen zum Abseilen, mit Bohrhaken
Zwischensicherung
mit Bohrhaken
Seillänge
1 x 40 m
Anzahl Expressschlingen
8

Wegearten

Pfad 34,82%Unbekannt 65,17%
Pfad
0,5 km
Unbekannt
0,9 km
Höhenprofil anzeigen

Sicherheitshinweise

In der Nähe des Furkapasses kann das Wetter erstaunlich schnell umschlagen. Daher sollte man auch Material für schlechtes Wetter mitnehmen und bereits vor der Tour Alternativen und mögliche Ausstiege im Kopf haben.

Weitere Infos und Links

Die Sidelenhütte ist ein geeigneter Ausgangspukt für diese und viele weitere spannende Touren:

Walter und Gertrud Gisler - Föhn
Mobile: 079 532 29 58
Telefon: 041 887 02 33
Mail: info@sidelen-huette.ch

Start

Sidelenhütte (2.702 m)
Koordinaten:
SwissGrid
2'675'742E 1'161'171N
DD
46.597514, 8.427115
GMS
46°35'51.1"N 8°25'37.6"E
UTM
32T 456120 5160598
w3w 
///schied.erwarten.erheben
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Ziel

Sidelenhütte

Wegbeschreibung

Von der Sidelenhütte aus folgt man zuerst dem Nepali-Highway in Richtung Nordosten. In dem Geröllfeld folgt man sich rechts haltend den roten Markierungen bis man rechts vom Weg abgeht und östlich des westlichsten Turms auf den Westgrat des Klein Bielenhorn zugeht. An der Felswand finden sich einige Bohrhaken, denen man kletternd folgt. Von hier an ist der Weg immer gut ersichtlich, nur die Letzte Seillänge ist entweder schwer zu finden oder muss clean geklettert werden. Der Gipfel des Klein Bielenhorns wird vom Ende der letzten Seillänge problemlos gefunden.

Der Abstieg erfolgt zunächst in Richtung Nordwesten bis man noch vor dem Grossen Kamel auf den Nepali-Highway stösst und diesem wieder zu der Sidelenhütte folgt. 

Hinweis


alle Hinweise zu Schutzgebieten

Öffentliche Verkehrsmittel

Mit dem Postauto kann bis zur Haltestelle "Furka, Passhöhe" gefahren werden. Von dort dauert der Hüttenzustieg noch etwa anderthalb Stunden.

Parken

Parkplätze sind an den Haltestellen "Furka, Passhöhe" sowie "Sidelenbach (Furka)" verfügbar.

Koordinaten

SwissGrid
2'675'742E 1'161'171N
DD
46.597514, 8.427115
GMS
46°35'51.1"N 8°25'37.6"E
UTM
32T 456120 5160598
w3w 
///schied.erwarten.erheben
Auf Karte anzeigen
Anreise mit der Bahn, dem Auto, zu Fuß oder mit dem Rad

Ausrüstung

Normale Kletterausrüstung, mobile Sicherungen (Keile, Friends, Schlingen... ) und Bergschuhe für den Abstieg.

Fragen & Antworten

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Bewertungen

5,0
(1)
Dominik Schittny 
28.04.2019 · Community
Nach dem Aufstieg zur Sidelenhütte stand erst einmal Gletscherausbildung auf dem Programm. Das Gehen, oder besser gesagt das Rennen, mit Steigeisen wurde geübt. Und das nicht nur vorwärts sondern auch rückwärts und seitwärts. Natürlich mit einem schweren Rucksack auf dem Rücken. Nach diversen Spaltenrettungsübungen und der mehrmaligen Konstruktion verschiedener Flaschenzüge erlernten wir noch das Erstellen von Eissanduhren bevor wir eine Expedition in die wilde Spaltenzone des Sidelengletschers unternahmen. Da wir nach alle dem noch ein Bisschen mehr als eine Stunde Zeit hatten wollten wir den Schildkrötengrat im Schnelldurchlauf überschreiten. Da wir nicht die einzigen auf dem Grat waren hiess es Keile, Friends und Schlingen auspacken und alle anderen neben der Route und den Bohrhaken überholen! Als wir zu der Klagemauer gelangten entschlossen wir uns diese zwar weniger schwierig jedoch sehr ausgesetzt links zu umgehen. Es brauchte etwas Mut aber selbst in Bergschuhen klappte es gut. Schnell ging es danach weiter, immer dem Grat entlang. Im Gegensatz zum letzten Mal folgten wir im letzten Abschnitt der Route nicht den vorhandenen Wegspuren rechts vom Grat sondern fanden den vorgesehenen weg direkt darüber. Auch wenn diesmal etwas schneller als unbedingt nötig war der Grat eine grosse Freude! Das nächste Mal werden wir uns aber wieder mehr Zeit lassen.
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Gemacht am 03.09.2018

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Bewertung
Schwierigkeit
VI, 6a mittel
Strecke
1,4 km
Dauer
1:32 h
Aufstieg
231 hm
Abstieg
231 hm
Höchster Punkt
2.940 hm
Tiefster Punkt
2.699 hm
Rundtour aussichtsreich geologische Highlights Gipfel-Tour ausgesetzt versicherte Passagen Kletterstellen Grat Abstieg zu Fuß Plaisir

Statistik

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Karten und Wege
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